Posted: Oktober 20th, 2009 | Author: André | Filed under: Interviews, Neues | Tags: anwälte, arbeit, aufmerksamkeit, brunnenskulptur, dieter bohlen, dsds, entertainment, geld, gesundheit, guido westerwelle, joschka fischer, krieg, ksk, künstler, marktwert, moch, Politik, reichtum, rente, richter, ungerechtigkeit, urteil, verona feldbusch | No Comments »
Ist Dieter Bohlen Künstler? Die Richter des Bundessozialgerichts sagen „Ja“. Blogger und Zeitgeisttheoretiker André Moch erklärt im SPIEGEL-ONLINE-Interview, warum die Entscheidung richtig ist – und was der Juror von “Deutschland sucht den Superstar” besser macht als Guido Westerwelle.
SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, das Bundessozialgericht hat entschieden: Dieter Bohlens Tätigkeit bei “Deutschland sucht den Superstar” (DSDS) ist Kunst. Anarchisch gefragt: Sollte man diese Bewertung nicht besser dem Publikum überlassen?
André Moch: Ach wissen Sie, alles soll man ja heute den Leuten, dem Publikum überlassen. Ich bin da skeptisch.
SPIEGEL ONLINE: Aus Laiensicht scheint das Urteil unverständlich: Sprüche wie “Du guckst wie ich beim Kacken” dürften doch wohl keine Kunst sein, oder?
André Moch: Na, auf der anderen Seite haben die Menschen faktisch ja schon abgestimmt: 10 Millionen Zuschauer bei DSDS können nicht irren – zumindest habe ich sowas gehört. Da wird Ihr anarchischer Ansatz von eben ganz schnell zu einer klar rhetorischen Frage.
SPIEGEL ONLINE: Dann also Ihre Meinung als Fachmann – sind Bohlen und seine Kollegen Künstler?
André Moch: Bohlen ist Unterhaltungskünstler. So muss man das wohl sehen. Und ganz ehrlich: Unternehmer und Politiker rackern sich ab für ein bisschen Geld und Status in einem 80 Jahre dauernden Leben. Sicher: Entertainer wie Bohlen arbeiten auch viel. Er selbst wird ja auch nicht müde, das zu betonen. Aber unter dem Strich unterscheiden sich die Professionen doch wie Tag und Nacht: Bohlen hat immer was zu lachen – ein Joschka Fischer musste Krieg führen. Also: Bohlen ist Künstler und seine Leistung – samstags ein bisschen Ablenkung in die Wohnzimmer zu bringen – ist vielleicht mehr wert als das, was zum Beispiel ein Westerwelle jemals erreichen wird.
SPIEGEL ONLINE: Das hört sich an, als müssten Anwälte und Richter wohl einen Gutteil der Sendungen gesehen haben, um ein angemessenes Urteil zu fällen.
André Moch: Ich gehe davon aus.
SPIEGEL ONLINE: In dem Fall ging es um Beiträge von 173.000 Euro. Müssen RTL und andere Sender jetzt für sämtliche Friseur-, Girlband- und Supertalent-Castings Beiträge für die Juroren nachzahlen?
André Moch: Die KSK ist da unerbittlich.
SPIEGEL ONLINE: Über die Künstlersozialkasse erhalten selbständige Künstler Zuschüsse zur gesetzlichen Renten-, Alters- und Krankenversicherung. Wenn RTL jetzt für Bohlen & Co. Beiträge nachzahlt – stehen den Juroren dann im Alters- oder Krankheitsfall auch Zahlungen zu?
André Moch: Bohlen nimmt was er kriegen kann. Bei Frauen angefangen – denken wir nur an den Teppich-Zwischenfall oder die Liaison mit Miss Germany ’93, Verona Feldbusch – bis hin zu seinen Büchern, in denen er mitunter Un- und Halbwahrheiten verbreitet hat, um offensichtlich Aufmerksamkeit und Marktwert zu steigern. Zu den Rentenansprüchen: Da guckt dann am Ende der kleine Auftragskünstler dumm aus der Wäsche, aber in Tötensen gibt’s 2025 ‘ne neue Brunnenskulptur. Das finden Sie vielleicht ungerecht, aber ganz einfach: Das nennt man jetzt Kunst. Klar, oder?
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Zum Original.
Posted: September 27th, 2009 | Author: André | Filed under: Interviews | Tags: 8000er, bergsteigen, brocken, eis, eissturm, gerlinde, grenzerfahrung, gulasch, k2, kaltenbrunner, mount everest, nepal, österreich, profi, reinhold messner, schnee, wettbewerb | No Comments »
Welche Frau erklimmt als Erste alle Achttausender des Planeten? Vier Top-Bergsteigerinnen sind im Rennen, eine davon ist die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE analysiert Blogger und Zeitgeisttheoretiker André Moch ihre Rivalinnen, spricht über die Faszination der Höhe und Kaltenbrunners nächstes Ziel – den K2.
SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, Gerlinde Kaltenbrunner hat vorige Woche den Lhotse in Nepal bezwungen, den vierthöchsten Gipfel der Erde. Allerdings erst im dritten Versuch – was lief jetzt besser als bei vorherigen Expeditionen?
Moch: Mit Sicherheit hat sie aus den vorangegangenen Versuchen ihre Schlüsse gezogen. In der Szene ist sie für ihre akribischen Analysen bekannt. Auch was das Wetter angeht. Sie hatte jetzt sehr gute Wetterbedingungen bei Ihrem Erfolg und kann sich endlich neuen Aufgaben widmen.
SPIEGEL ONLINE: Was verstehen Sie unter “gutem Wetter” auf 8516 Meter Höhe?
Moch: Das ist natürlich relativ. Aber wenn Sie nachts im Eissturm nur einen Zeh verlieren, ist das ja schon ein Erfolg.
SPIEGEL ONLINE: Die Spanierin Edurne Pasaban, die im Mai den Kangchendzönga bestieg, ist jetzt neben Kaltenbrunner die einzige Frau, die zwölf Achttausender-Gipfel erreicht hat. Gibt es einen Kampf darum, wer als erste Frau alle 14 schafft?
Moch: Ja. Auch wenn das die Damen nie zugeben würden. Pasaban würde Kaltenbrunner auf ihrem Weg nicht den Gipfel runtertreten – das ist keine Frage. Aber im Tal Skat kloppen ist auch undenkbar. Da dreht es sich um ganz andere Dinge.
SPIEGEL ONLINE: Um welche?
Moch: Im Tal? Wo habe ich den Helm der Konkurrentin versteckt zum Beispiel. Wer wimmelt Sie ab, falls Sie nachfragt? Und wo ist überhaupt meiner? Frau kämpft mit allen Tricks. Ich finde das legitim!
SPIEGEL ONLINE: Gerlinde Kaltenbrunner fehlen noch K2 und Everest, Edurne Pasaban muss noch Shisha Pangma und Annapurna bezwingen – wer hat das leichtere Restprogramm?
Moch: Die Gerlinde. Denn der K2 und der Mount Everest sind für eine Top-Bergsteigerin mit so viel Wumms keine „Aufgaben” im eigentlichen Sinn. Sie sind keine Arbeit. Sie ziehen Dich geradezu nach oben. Magnetisch. Durch Wind und Wetter, Eis und Schnee.
SPIEGEL ONLINE: An beiden Bergen war Kaltenbrunner bereits, musste aber die Besteigungen abbrechen. Woher nimmt sie die Motivation, es immer wieder zu versuchen?
Moch: Wie ich bereits sagte: Eine Top-Bergsteigerin wird geradezu magisch nach oben gezogen. Aber bis sie zu einer bergerklimmenden Spitzenkraft werden, müssen sie auch mal Niederlagen einstecken. Nur das prägt und macht einen besser. Gerlinde Kaltenbrunner hat jetzt die Erfahrung und ist top… ich spüre das.
SPIEGEL ONLINE: Und der Everest?
Moch: Zwei Worte: Gerlinde Himmelfahrt.
SPIEGEL ONLINE: Wissen Sie, wann Pasaban ihre 13. und 14. Besteigung plant?
Moch: Erstmal muss ihr Kaltenbrunner dem Helm wiedergeben. Und dann sehen wir mal weiter.
SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, im Jahr 2007 haben Sie zusammen mit der Spanierin Pasaban einen Gipfel bezwungen…
Moch: Leider war die Brockenbahn an diesem Tag außer Betrieb. Aber das Gulasch oben war hervorragend. Riesige Portionen. Hier muss ich sagen, hat sie mich dann mit Ihren Nehmerqualitäten überrascht. Yeti aufgepasst!
SPIEGEL ONLINE: Kennen Sie auch die anderen Konkurrentinnen Kaltenbrunners? Nives Meroi aus Italien und Oh-Eun Sun aus Südkorea, die elf Achttausender bestiegen haben?
Moch: Kleine Fische. Aber trotzdem ist der Wettbewerb da. Auf jeden Fall.
SPIEGEL ONLINE: Wettbewerb hin oder her – ein wenig eilig hat es Gerlinde Kaltenbrunner schon. Nach nur zwei Wochen in Deutschland reist Sie jetzt zum K2.
Moch: Ich sage ja: Die schenken sich nichts.
SPIEGEL ONLINE: Blieb denn genug Zeit zur Regeneration?
Moch: Na hören Sie: Die Frau ist ein Profi! Davon gehe ich aus!
SPIEGEL ONLINE: Wenn sie alle 14 Achttausender schafft – was wäre dann die nächste Herausforderung?
Moch: Traditionell Reinhold Messners Bart klauen. Ich bin jedenfalls gespannt.
SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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Posted: September 17th, 2009 | Author: André | Filed under: Interviews | Tags: air france, blitze, china 2001, eis, europa, fliegen, flugangst, flugzeug, gewitter, hawaii, interview, japan, pilot, rind, spaß, steak, südamerika, turbulenzen, wetter, wolken | 2 Comments »
Turbulenzen, Blitze, technische Probleme: Über die Ursache des Air-France-Absturzes vor Brasilien wird noch immer gerätselt. Wie gefährlich ist es, durch Gewitter zu fliegen? Im SPIEGEL ONLINE Interview erklärt André Moch, Zeitgeisttheoretiker und Blogger, wie Piloten sich verhalten sollten und was bei einem Einschlag passiert.
SPIEGEL ONLINE: Wie fühlt es sich an, wenn ein Blitz das Flugzeug trifft?
Moch: Es ist weniger eine Sache des Gefühls. Aber lustige Frisuren sind dann immer Thema.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie das schon erlebt?
Moch: Inlandsflug, China 2001. Was für ein Spaß!
SPIEGEL ONLINE: Gab es Schäden am Flugzeug?
Moch: Naja, über die Sitze musste man danach schon mal feucht drüber…
SPIEGEL ONLINE: Ist es gefährlicher, nachts bei Gewitter zu fliegen?
Moch: Gar nicht. Vor allem sieht es aber besser aus.
SPIEGEL ONLINE: Kann das Radar durch einen Blitzschlag ausgeschaltet werden?
Moch: Das ist unwahrscheinlich. Aber möglich. Und dann gilt der alte Spruch: „Immer der Nase nach, Capitano!”
SPIEGEL ONLINE: Wer fliegt im Gewitter – der Autopilot?
Moch: Dem den ganzen Spaß überlassen? Nö.
SPIEGEL ONLINE: Wie erfahren Piloten überhaupt, dass es auf ihrer Flugstrecke ein Gewitter gibt?
Moch: Die Bodenstation meldet. Und natürlich gibt es detaillierte Vorhersagen, die auch optisch toll aufbereitet werden. Hauptsache, der Co-Pilot hat seine Wachsmalstifte durch die Kontrolle bekommen.
SPIEGEL ONLINE: Wie sehen diese Bilder aus?
Moch: Viel Rot, viel Grün – grundsätzlich zweckmäßig. Doch mit Sicherheit gibt es da Ausreißer nach oben. Ich habe aber noch keinen Piloten mit nur einem Ohr gesehen.
SPIEGEL ONLINE: Durch den grünen Bereich darf man noch fliegen?
Moch: Man muss! Oder man dreht besser gleich um. Aber dann wird man lieber Eisverkäufer.
SPIEGEL ONLINE: Wie oft müssen Piloten Gewitter umfliegen?
Moch: Regelmäßig. Und normalerweise ist das ja auch kein Problem.
SPIEGEL ONLINE: Können sie Gewitter auch überfliegen?
Moch: Ja, kommt aber auf die Ausmaße der Wolkenkonstruktion an. Ich sage immer: Wenn die Kinder an Bord damit leben können, ihre Milch auch mal auf’s Brot zu schmieren, flieg drüber!
SPIEGEL ONLINE: Gibt es Gründe, aus denen man zwangsweise durch ein Gewitter fliegen muss?
Moch: Gar nicht. Nicht unter normalen Vorzeichen. Gut: Wenn du – warum auch immer – schon mitten drin bist, gibst du besser Schub.
SPIEGEL ONLINE: Wie ist es, wenn das Umfliegen zu lange dauert und der Sprit ausgehen könnte?
Moch: Einen Jumbo bekommen Sie zur Not auch zwischen Hawaii und Japan runter. Da wundern sich die Eingeborenen und die Reise geht danach mit dem Schiff nach Hause, aber unmöglich ist da grundsätzlich nichts. Denken Sie bitte immer daran: Fahrrad fahren ist riskanter. Und lecker Fresschen gibt’s da auch keines.
SPIEGEL ONLINE: Es gibt aber auch Turbulenzen, die nicht vorhersagbar sind?
Moch: Ja Mensch, stell‘ Dir vor! Also manchmal… (schüttelt verwundert den Kopf)
SPIEGEL ONLINE: Wo und wann kommen diese vor?
Moch: Mitten im Gang. Vor allem wenn das vegane Essen vergessen wurde. Dann brennt die Luft, das kann ich Ihnen aber sagen!
SPIEGEL ONLINE: Wann werden die Passagiere gewarnt?
Moch: Vorwarnungen gibt’s da keine. Auf einmal ist nur noch Rind im Angebot. Und dann geht’s los…
SPIEGEL ONLINE: Und die Crew?
Moch: Darf schwierige Passagiere ja neuerdings fesseln. Das will niemand. Aber manchmal muss es sein.
SPIEGEL ONLINE: Ist die Strecke von Südamerika nach Europa besonders durch Turbulenzen gefährdet?
Moch: Über die perfekte Qualität der argentinischen Rumpsteaks ist denke ich schon alles gesagt und geschrieben worden. Die Crew lässt da vegane und vegetarische Speisen einfach von vornherein am Boden. Natürlich gibt’s da lange Gesichter. Aber es wird gegessen was auf den Klapptisch kommt. Sonst – und das haben mir viele Piloten bestätigt – wird das Gewitter gestürmt. Und dann ist wieder Ruhe im Karton.
SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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Posted: September 14th, 2009 | Author: André | Filed under: Interviews | Tags: autor, buch, demokratie, ethik, finanzkrise, freiheit, gesellschaft, interview, krise, kunst, literatur, moral, russland, solschenizyn, springsteen, stalin, udssr, werte | No Comments »
Alexander Solschenizyn war das wichtigste Sprachrohr der russischen Dissidenten. Im Interview über das Lebenswerk des Nobelpreisträgers haben wir jetzt mit Blogger und Zeitgeisttheoretiker André Moch gesprochen.
SPIEGEL ONLINE: Lesen die Menschen in diesen Zeiten Solschenizyn, zum Beispiel den “Archipel Gulag”, den erschütternden Bericht über den Terror in Stalins Lagerwesen?
Moch: Oh ja. Düstere Zeiten, düstere Literatur. Ich meine, wenn man sich erinnert, wird man wachsam und wehrt sich gegen bestimmte Entwicklungen und die sogenannten moralischen Autoritäten. Auf die scheint momentan eh kaum Verlass. Insofern sollten wir den anhaltenden Erfolg des Buches feiern. Ich habe mein Exemplar hier in der Tasche. Und auf dem iPod läuft Springsteen. Das sollten Sie auch mal probieren. Das pustet Ihnen das Hirn frei.
SPIEGEL ONLINE: Die heutigen Autoren schreiben oft nicht aus selbsterlebtem Leid heraus, wie Solschenizyn es getan hat. Ist das ein Problem?
Moch: Ein Problem ist Ihre zynische Frage. Sie scheinen “Archipel Gulag” entweder nicht gelesen oder aber nicht verstanden zu haben. Ich bezweifele Ihre Annahme auch grundsätzlich!
SPIEGEL ONLINE: Gut, also kein Zynismus. Vielleicht noch ein Satz zu Solschenizyn direkt. Als er aus dem US-Exil ins postsowjetische Russland zurückkehrte, war er von den Entwicklungen enttäuscht und forderte bis zu seinem Tod 2008 eine moralische Erneuerung…
Moch: Nun, er hatte wirklich nicht mit allem recht, was sein Spätwerk betrifft. Aber es stimmt: Seine Kernthemen waren Moral und Ethik. Und wer weiß: Alle reden von der großen Umkehr nach der Finanzmisere – jetzt müsse man neu denken und so weiter. Aber vielleicht geht der Kapitalismus auch eher gestärkt aus der Krise hervor. Allein schon, weil er in Krisenzeiten am besten funktioniert. Doch die Chancen zur Erneuerung sind sicherlich da. Sie sind immer da! Vielleicht hilft ja „das Schöne”.
SPIEGEL ONLINE: “Das Schöne”? Kann denn die Kunst dabei wirklich eine Rolle spielen?
Moch: Warum nicht? “Nur das Schöne kann die Welt retten”: Womöglich lag Dostojewski mit seiner Vermutung tatsächlich richtig. Es gibt jedenfalls keinen Grund, es nicht damit zu versuchen.
SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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Posted: September 9th, 2009 | Author: André | Filed under: Interviews | Tags: 80er, 80s, anschlag, bnd, bundestag, chaos, ddr, fdp, gorbi, helmut kohl, honnecker, johann lafer, kalorienvergiftung, kaukasus, kirmes, kurras, Politik, pudding, spione, spon, stasi, strickjacle, willy brandt | No Comments »
Wie viele Bundestagsabgeordnete hatten Stasi-Kontakte? Das Parlament hadert mit einer gründlichen Untersuchung. André Moch, Blogger und Zeitgeisttheoretiker, erklärt im SPIEGEL-ONLINE-Interview, wieso er noch erstaunliche Enthüllungen über Agenten erwartet.
SPIEGEL ONLINE: Die FDP ist gerade im Parlament mit einem Antrag gescheitert, der die Durchleuchtung von Bundestagsabgeordneten nach möglichen Stasi-Verstrickungen vorsah. Braucht der Bundestag also keine Untersuchung auf Stasi-Spitzel?
Moch: Doch, braucht er.
SPIEGEL ONLINE: Gegner des FDP-Plans wie Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnten vor einer “Unkultur der Verdächtigungen”. Norbert Röttgen (CDU) betonte schon zuvor, es gebe eine Schutzpflicht des Parlamentes für seine Mitarbeiter. Sind die Bedenken gerechtfertigt?
Moch: Nein.
SPIEGEL ONLINE: Warum sperrt sich der Bundestag dann gegen das Vorhaben der FDP?
Moch: Da werden einige ihre Gründe haben.
SPIEGEL ONLINE: Gibt es denn Indizien dafür, dass die Stasi auch im Bundestag ihre Finger im Spiel hatte? Der einstige Spionagechef der DDR, Markus Wolf, brüstete sich einst, die Stasi habe in “Fraktionsstärke” im Bundestag gesessen.
Moch: Indizien? Eine ganze Reihe sogar! Im Kanzleramt war sie ja auch – und weg war der Willy. Wolf könnte hier tatsächlich recht haben. Aber es war ein Geben und Nehmen. Oder denken Sie, eine Partei bei Trost hätte Honnecker ganz oben installiert? Da hat der BND damals ganze Arbeit geleistet.
SPIEGEL ONLINE: Der Birthler-Behörde wird vorgeworfen, sie treibe die Aufklärung der Stasi-Verwicklungen in Westdeutschland kaum voran.
Moch: Ja lässt man sie denn? Aufklärung wird ja schon im Bundestag aktiv verhindert. Dabei würde sie wahrscheinlich wahnwitzige Storys aufdecken.
SPIEGEL ONLINE: Sie vermuten, die bereits bekannten Fälle von politischem Einfluss der Stasi auf Westdeutschland und der Fall Kurras sind nur die Spitze des Eisbergs?
Moch: Wer hat Kohl wohl von Karamellpudding mit 18 Eiern abhängig gemacht? Seine Frau? Im Leben nicht! Und weitere Aufklärung verhindert hier der Staat.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben die Birthler-Behörde sogar einen “Garant für die Nichtaufklärung” genannt. Was meinen Sie damit?
Moch: Ich meine damit, dass z. B. im Fall Kohl niemand nach den wahren Hintermännern gefragt hat. Die haben da weder Mandat noch Ahnung. Übrigens auch vom Kochen nicht. Oder davon, woher wohl die Rezepte stammten. (niest 2x, *Johann *Lafer)
SPIEGEL ONLINE: Birthler betont, ihre Behörde könne im Fall Kohl nicht ohne Auftrag forschen.
Moch: Um Gottes Liebe willen: Der Mann wäre im Mai 1990 fast explodiert und die Stasi hätte eine späten Sieg davongetragen! Wäre er in dem Zustand damals beim Strickjackentreff mit Gorbi im Kaukasus ins Bächlein gefallen… verdammt noch eins: Die Region hätte auf Jahre eine echte Attraktion gehabt. Mit Bimmelbahn, Imbissbuden und geführten Touren. Uns wäre nur das Chaos geblieben. Wenn jetzt am Ende die schrecklichen Bilder der bis zum Zerreißen gespannten Strickware nicht Anlass genug sind für eine späte und vor allem notwendige Untersuchung, dann weiß ich es aber auch nicht mehr!
SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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Posted: September 7th, 2009 | Author: André | Filed under: Interviews | Tags: 80er, arm, deutschland, escada, gold, industrie, interview, jil sander, krise, lear-jet, luxus, mode, münchen, reich, rüschen, schickeria, seide, stil, the hoff, zukunft | 1 Comment »
Blogger und Zeitgeisttheoretiker André Moch über die Escada-Pleite, die Krise der Luxusindustrie und die Zukunft.
SPIEGEL: Herr Moch, der deutsche Modekonzern Escada ist gerade das jüngste Opfer der Wirtschaftskrise geworden. Bedauern Sie die Pleite?
Moch: Ach es ist schrecklich! Was haben die schon geleistet? Nichts! Aber dann auch noch so zu scheitern… grausam. Und was soll die Münchner Schickeria jetzt tragen? Escada – das war wie zu viel Rouge an heißen Tagen. Eben genau richtig für alternde Misses und die verlebte Grünwalder Damenschaft. Doch nun ist alles aus…
SPIEGEL: Was wäre die Rettung?
Moch: Mehr ist mehr! Mehr Goldknöppe, mehr Fell, mehr Leopard-Dessin, mehr Prince, mehr 80s, mehr von allem. Und Rüschen! Rüschen in mindestens sieben Lagen! Jetzt nicht reduzieren, sondern explodieren…
SPIEGEL: Der Niedergang der Goldknopf-Legende Escada war fast exemplarisch: Erst starb die Gründerin, es folgten Jahre des Missmanagements, zuletzt wechselten die Investoren fast schneller als die Kollektionen.
Moch: Das stimmt. Und wenn man weiß, dass es bei Escada nicht nur Spring/Summer und Fall/Winter Mode gab, sondern auch eine „Pre Fall Collection”, hat man eine gute Vorstellung.
SPIEGEL: Generell: Was ist von deutscher Mode noch übrig geblieben?
Moch: Da möchte ich mal Jil Sander zitieren: “Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.” Auf den Punkt, oder?
SPIEGEL: Wie ist es um den Patienten Luxusindustrie insgesamt bestellt?
Moch: Wirklich Erlesenes geht immer. Sie wissen ja: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer – und damit auch der Markt für 20.000 Euro Kostüme, 8 Euro Eis mit Kardamon und Lear-Jets.
SPIEGEL: Ist die aktuelle Krise eine Chance?
Moch: So hergeleitet: Ja, natürlich.
SPIEGEL: Inwiefern?
Moch: Es ist die Chance auf eine neue Blase, auf Neureiche und Whoooohooodschängderäng! Kassekassekasse!
SPIEGEL: Ist Escada also doch noch zu retten?
Moch: Wie gesagt, Explosion statt Reduktion und die Seidenblusen wedeln vielleicht bald wieder im Fahrtwind. Aber Ihre Frage müsste anders lauten. Sie müssten fragen, ob die 80er wiederkommen.
SPIEGEL: Und kommen Sie wieder?
Moch: Hat „The Hoff” Brusthaar? Also – alles offen.
SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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