Ein anderes Leben ist möglich.

Reise und komm nie zurück.

Posted: Januar 25th, 2010 | Author: André | Filed under: Lyrik, Neues | Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Um sie herum schneeweiße Wände, ohne Makel, purer Schein.
Sie liegt und ihre kleinen Hände greifen ohne Kraft hinein.

Direkt ins Gleißen, rein in Sonnen, Lichter blendend aufgereiht.
Ohne Not damit begonnen, es brennt wie Glut, sie möchte schreien.

Figuren streifen ihren Körper, kalte Küsse auf der Haut.
Schemenhafte Schattenmänner, grau in grau; sie hockt und schaut.

„Wir kümmern uns um dich“, sie flüstern, „kümmern uns um dich, gewiss.“
Sie drückt sich lang an weißen Mauern, nackt, in ihrem Kopf ein Riss.

Jetzt kauert sie in fahler Ecke, fahle Nebel tätscheln sie.
Wo sie streicheln schwarze Flecken, schwarze Löcher fressen sie.

Ihre Schenkel, ihre Arme, ihren Rücken, ihren Mund.
Sie ist nicht mehr, sie ist verschlungen, fortgewischt, gelöscht vom Grund.

Zurück bleibt leis ein schwaches Summen, leer und matt ihr letzter Ton.
Zartes Wimmern… bald verklungen… hier im Nichts. Wen kümmert’s schon.


Sapporo.

Posted: Januar 18th, 2010 | Author: André | Filed under: Lyrik, Neues | Tags: , , , , , , , , | No Comments »

Und er zieht über Land. Stapft durch den Schnee. Vorbei an Scheunen, Häusern, Schienen.
Woran er denkt? An seine Freunde – Eisrosen, die an Fenstern Freunde mimen.

Er schaut sie an. Sie lachen zurück. Aus einem Haus erklingt ein Schrei.
Sein Krankenhaushemd weht im Wind, er denkt sich nichts dabei.

Schon zuckt es blau. Schnee spiegelt Effekte, Sirenen beschallen die Szene.
Er dreht sich um, geht in den Wald, ganz ruhig als sei nichts geschehen.

Das Blaulicht zieht ab. Er sitzt unter Tannen, vermisst schnell seine Freunde.
Aber er tröstet sich und lauscht dem Knuspern der Eichhörnchen in den Zweigen der Bäume.

Es wird noch kälter. Er wird zu Eis, es drückt ihm in die Glieder.
Aufstehen, nein, das kann er nicht. Der Frost, er zieht ihn nieder.

Finster ist es in seinem Versteck. Der Mond nur spendet Licht.
Diffuser Schein, unheimliche Stimmung, Angst in seinem Gesicht.

Weil Äste bizarre Schatten werfen, es leise rauscht und knistert.
Die Eichhörnchen bringen jetzt Furcht, er schüttelt sich und wispert:

„Ihr kriegt mich nicht, Dämonen und Geister, ihr könnt mich heute nicht haben.
Eher geh ich in die andere Welt, ich sehe schon die Farben.“

Und die Schatten ziehen sich zu und er schließt die Augen und Frost klirrt in seiner Lunge.
Und er zittert nicht mehr und ist dunkelblau und spürt süßen Geschmack um die Zunge.

Sein Blut wird Kristall, er wird zur Skulptur, nein eher ein Mahnmal am Ende.
Denn er wollte doch nur zurück, schnell zurück, in traute heimische Wände.


Es ist kalt.

Posted: Januar 4th, 2010 | Author: André | Filed under: Lyrik, Neues | Tags: , , , , , | No Comments »

draußen schafft der räumdienst
dreck spritzt wild zur seite
klar ist heut: kein vogel fliegt


Nanga Parbat.

Posted: Oktober 10th, 2009 | Author: André | Filed under: Input | Tags: , , , , , , , , , , | No Comments »

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“Wenn Sie nachts im Eissturm nur einen Zeh verlieren, ist das ja schon ein Erfolg.“

Posted: September 27th, 2009 | Author: André | Filed under: Interviews | Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , | No Comments »

Welche Frau erklimmt als Erste alle Achttausender des Planeten? Vier Top-Bergsteigerinnen sind im Rennen, eine davon ist die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE analysiert Blogger und Zeitgeisttheoretiker André Moch ihre Rivalinnen, spricht über die Faszination der Höhe und Kaltenbrunners nächstes Ziel – den K2.

SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, Gerlinde Kaltenbrunner hat vorige Woche den Lhotse in Nepal bezwungen, den vierthöchsten Gipfel der Erde. Allerdings erst im dritten Versuch – was lief jetzt besser als bei vorherigen Expeditionen?

Moch: Mit Sicherheit hat sie aus den vorangegangenen Versuchen ihre Schlüsse gezogen. In der Szene ist sie für ihre akribischen Analysen bekannt. Auch was das Wetter angeht. Sie hatte jetzt sehr gute Wetterbedingungen bei Ihrem Erfolg und kann sich endlich neuen Aufgaben widmen.

SPIEGEL ONLINE: Was verstehen Sie unter “gutem Wetter” auf 8516 Meter Höhe?

Moch: Das ist natürlich relativ. Aber wenn Sie nachts im Eissturm nur einen Zeh verlieren, ist das ja schon ein Erfolg.

SPIEGEL ONLINE: Die Spanierin Edurne Pasaban, die im Mai den Kangchendzönga bestieg, ist jetzt neben Kaltenbrunner die einzige Frau, die zwölf Achttausender-Gipfel erreicht hat. Gibt es einen Kampf darum, wer als erste Frau alle 14 schafft?

Moch: Ja. Auch wenn das die Damen nie zugeben würden. Pasaban würde Kaltenbrunner auf ihrem Weg nicht den Gipfel runtertreten – das ist keine Frage. Aber im Tal Skat kloppen ist auch undenkbar. Da dreht es sich um ganz andere Dinge.

SPIEGEL ONLINE: Um welche?

Moch: Im Tal? Wo habe ich den Helm der Konkurrentin versteckt zum Beispiel. Wer wimmelt Sie ab, falls Sie nachfragt? Und wo ist überhaupt meiner? Frau kämpft mit allen Tricks. Ich finde das legitim!

SPIEGEL ONLINE: Gerlinde Kaltenbrunner fehlen noch K2 und Everest, Edurne Pasaban muss noch Shisha Pangma und Annapurna bezwingen – wer hat das leichtere Restprogramm?

Moch: Die Gerlinde. Denn der K2 und der Mount Everest sind für eine Top-Bergsteigerin mit so viel Wumms keine „Aufgaben” im eigentlichen Sinn. Sie sind keine Arbeit. Sie ziehen Dich geradezu nach oben. Magnetisch. Durch Wind und Wetter, Eis und Schnee.

SPIEGEL ONLINE: An beiden Bergen war Kaltenbrunner bereits, musste aber die Besteigungen abbrechen. Woher nimmt sie die Motivation, es immer wieder zu versuchen?

Moch: Wie ich bereits sagte: Eine Top-Bergsteigerin wird geradezu magisch nach oben gezogen. Aber bis sie zu einer bergerklimmenden Spitzenkraft werden, müssen sie auch mal Niederlagen einstecken. Nur das prägt und macht einen besser. Gerlinde Kaltenbrunner hat jetzt die Erfahrung und ist top… ich spüre das.

SPIEGEL ONLINE: Und der Everest?

Moch: Zwei Worte: Gerlinde Himmelfahrt.

SPIEGEL ONLINE: Wissen Sie, wann Pasaban ihre 13. und 14. Besteigung plant?

Moch: Erstmal muss ihr Kaltenbrunner dem Helm wiedergeben. Und dann sehen wir mal weiter.

SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, im Jahr 2007 haben Sie zusammen mit der Spanierin Pasaban einen Gipfel bezwungen…

Moch: Leider war die Brockenbahn an diesem Tag außer Betrieb. Aber das Gulasch oben war hervorragend. Riesige Portionen. Hier muss ich sagen, hat sie mich dann mit Ihren Nehmerqualitäten überrascht. Yeti aufgepasst!

SPIEGEL ONLINE: Kennen Sie auch die anderen Konkurrentinnen Kaltenbrunners? Nives Meroi aus Italien und Oh-Eun Sun aus Südkorea, die elf Achttausender bestiegen haben?

Moch: Kleine Fische. Aber trotzdem ist der Wettbewerb da. Auf jeden Fall.

SPIEGEL ONLINE: Wettbewerb hin oder her – ein wenig eilig hat es Gerlinde Kaltenbrunner schon. Nach nur zwei Wochen in Deutschland reist Sie jetzt zum K2.

Moch: Ich sage ja: Die schenken sich nichts.

SPIEGEL ONLINE: Blieb denn genug Zeit zur Regeneration?

Moch: Na hören Sie: Die Frau ist ein Profi! Davon gehe ich aus!

SPIEGEL ONLINE: Wenn sie alle 14 Achttausender schafft – was wäre dann die nächste Herausforderung?

Moch: Traditionell Reinhold Messners Bart klauen. Ich bin jedenfalls gespannt.

SPIEGEL ONLINE: Herr Moch, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Leider kein Link zum Original.