e v e r y t h i n g i s a m a z i n g b u t n o b o d y i s h a p p y

Von weit her Gesang.

Posted: Januar 9th, 2012 | Author: André | Filed under: Keine Lyrik, Neues | Tags: , , , , , , , , | No Comments »

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Ich bekomme kaum Luft. Ich lasse das Licht aus. Es ist kurz vor fünf. Jetzt schon Nacht. Ich merke
das Herz. Es schlägt schnell. Das tut es seit Tagen. Das tut es mir an. Ich ziehe schwer durch den Mund. Meine Nase ist zu. Den ganzen Tag gehen Kirchenglocken. Ich spiegele mich im großen Wohnzimmerfenster. Schemenhaft. Ich bin eine Kontur. Blassblau. Hier die Stadt, dahinter der Berg.
In den Häusern brennt kein Licht. Die Bäume schieben ihre Zweige in den Himmel. Ich reiße den Mund auf. So ist es nicht gut.

Wenn ich jetzt weiterschreibe. Wenn ich mich ans Fenster stelle. Wenn ich rausgehe. Wenn ich mich auf den Balkon lege. Wenn ich all das tue. Wenn ich es lasse. Wenn ich nichts mehr will. Wenn ich weiterschreibe und nur noch von mir. Wie ich welke. Wie ich Asche werde. Wie ich mich aus einer Wand schäle. Wie mir meine Beine brechen. Wie Schlacke über meinen Körper zieht. Sodass ich kaum atmen kann. Sodass ich die Stadt nicht sehe. Sodass ich liegen muss. Auf dem Balkon. Auf feuchten Bodenplatten. Asseln unter meinen Händen.

Vor der Brüstung explodiert eine Rakete. Ich stehe auf, unten im Garten winkt ein Mann. Ich kann ihn kaum sehen. Ich hebe den Arm. Wir rufen nicht. Wir schauen. Ich drehe mich um, noch ein Knall, grüne Funken. Ich blitze auf im großen Fenster. Ich, einmal mehr. Dann Kirchenglocken, meine Ohren, lautes Rauschen und darin von weit her Gesang. Fliegt Gedanken, von Sehnsucht getragen, fort von hier, fort von hier, fliegt für immer fort von hier. Dann falle ich, welke, werde Asche, werde Dunst, finde zum Berg, verlasse die Stadt. So ist es gut. Und Licht in allen Häusern.



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